Triumph in Tegel

Kaum hatte Leidig den Preisgeldscheck von Sponsor Long Distance in Empfang genommen, wurde die Mannschaftsleitung euphorisch: Mit der Wiederholung seines Sieges beim 10 km-Crosslauf des Ruderclubs Tegel hat Leidig diesen nun einmal mehr gewonnen als Carsten Schlangen, der in Peking die 1500 m lief. Unser Athlet gestand freimütig, daß es sich um einen souveränen Start-Ziel-Sieg gehandelt habe. “Nach zwei Kilometern war mir langweilig, und ich drehte mich um, weil ich mit der Spitzengruppe etwas plaudern wollte, aber da war keiner mehr. So blieben zum Zeitvertreib nur die beiden Führungsfahrräder, von denen ich eins nach etwa sechs Kilometern überholen konnte”, so der im Ziel bestens gelaunte Leidig. Allerdings gab er zu bedenken, “daß die grottenschlechte Zeit von 36:46 ja nun nicht gerade olympiareif war.” Die Mannschaftsleitung verwies auf eine lange Saison und Verletzungspech. Am Nachmittag spendierte sie unserem Athleten nach lockerem Radtraining sogar eine Streuselschnecke: “Schließlich führt er die Wertung des Winterlaufcups an, der nächste Scheck ist zum Greifen nah.” Das sollte offenbar von einem kollosalen Versäumnis ablenken: Bei der Anfahrt am Morgen geriet das Teamfahrzeug in Berlin-Kreuzberg ohne Zulassung in eine Polizeikontrolle. Zum Glück gaben sich die Beamten mit einer Personenkontrolle zufrieden. Ob im Kofferraum Blutbeutel, Epo-Ampullen oder gar die neuen Wunderdrogen GW1516 und AICAR lagern, interessierte sie nicht.

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