… noch eine Holzmedaille

Da die Trainingsgruppe Leidig zum Punktesammeln für den Berliner Läufer Cup den 6. Helios-Lauf über 10 km auf den Plan gesetzt bekam, reihte sich auch Leidig in die Startreihe ein. »Eine Tempoeinheit mehr kann schließlich nicht schaden«, gab die Mannschaftsleitung zum besten. Auch Olaf Haller brauchte noch Punkte und erschien ebenso im Berliner Grunewald. Nach dem Startschuß zogen der spätere Sieger Marek Jaskolka, Christian Zschorlich und Edmund Kramarz allerdings los wie die Feuerwehr — die ersten beiden Plätze wurden am Ende bei einer nicht leichten, hügeligen und windigen Strecke deutlich unter 33 Minuten vergeben. Haller und Leidig ließen es nach umfangreichen Trainingswochen gemütlicher angehen und joggten jeder für sich hinterher, im Ziel hatte Leidig als Vierter sogar eine knappe Minute Vorsprung. Geehrt und mit Schecks versehen wurden die ersten fünf Plätze, so lächelten alle zufrieden für das Siegerfoto. Andreas Gbur von der Trainingsgruppe Leidig konnte zudem mit einer 19 Punkte-Wertung bereits in seiner ersten Saison einen Podiumsplatz in der Gesamtwertung des Berliner Läufer Cups sichern. Ein netter Nachmittag in freundlicher Umgebung — wenn Leidig bei der Tombola noch das Buch von Tom McNab gewonnen hätte, wäre es perfekt gewesen.

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Leidig joggt mit beim Helioslauf Grunewaldlauf.

Holzmedaille in Kreuzberg

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Leidig bei sich zu Hause in Kreuzberg,

»In der Oranienstraße ist immer etwas los — außer Sonntag morgens um 9 Uhr. Deswegen entstehen für die Athleten in der Spitzengruppe beim Kreuzberger Viertelmarathon beeindruckende Ansichten von leeren Häuserschluchten, letzten erschlagenen Partygängern und Herstellern französischer Backwaren mit Migrationshintergrund.« Kenntnisreich erörterte die Mannschaftsleitung mit zahlreichen soziologisch informierten Einsprengseln weiter Fragen von Sportfotografie, Postmoderne und Saisonplanung. Doch offenbar sollte nur abgelenkt werden von Leidigs beschämendem vierten Platz vor heimischem Publikum. Als einziger war er dem späteren Sieger Alwin Groen von den NOVA Team Distance Runners gefolgt, dies aber auch nur halbherzig, ließ nach zwei Kilometer bereits abreißen und wurde im weiteren Verlauf noch von Daniel Göhring und auf dem letzten Kilometer von Olaf Haller eingesammelt. Zur Strafe mußte er das Altersklassenpodium der M40 besteigen, durfte aber ein paar freundliche Worte mit der ehemaligen Nationalmannschaftsathletin Sylvia Renz wechseln. Ob es als Sachpreis eine vergünstigte Prostata-Vorsorgeuntersuchung gab, konnten selbst gut informierte Kreise um die Mannschaftsleitung nicht in Erfahrung bringen.

Wie ein junges Reh

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Knapp zwanzig Stunden nachdem er am Werbelinsee die Berlin-Brandenburgischen Meisterschaften auf der Mitteldistanz absolviert hatte, stand Leidig am Start des Berlin Triathlon. Es waren noch genug Körner vorhanden für die drittbeste Laufzeit, den achten Gesamtrang sowie den Sieg in der Altersklasse.

Das Podium kommt näher: Platz 5 am Werbelinsee

Eintausendfünfhundert Radkilometer im Juli bescherten Leidig beim Werbelinsee-Triathlon zum erstenmal in seiner Karriere eine vernünftige Radleistung, die fünftbeste der Konkurrenz. Platz 18 nach dem Schwimmen, Platz 7 nach dem Radfahren, und auf der Laufstrecke konnte er noch zwei Sportler überholen, darunter Vorjahresmeister Falk Linke, so daß am Ende Gesamtrang 5 bei den Berlin-Brandenburgischen Meisterschaften zu Buche stand. Der Altersklassensieg in der M40 ging wie bereits auf der Kurzdistanz an Martin Hackmann, der Leidig beim Schwimmen mehr als vier Minuten aufgebrummt hatte. »Was wir für gute Radzeiten machen müssen, wissen wir jetzt, dann lernen wir im Winter mal Schwimmen«, kommentierte die Mannschaftsleitung lapidar. »Ansonsten war das schon ganz gut. Wenig zu meckern heute. Der Veranstalter glänzte allerdings nicht: Erst bricht der Radständer zusammen, dann müssen wir unseren Athleten auf eine zum Teil extrem holprige, nicht gesperrte Radstrecke schicken, auf der er von LKWs und Reisebussen überholt wird. Die Laufstrecke hatte Cross-Einlagen, bei der selbst Leidig, der die drittbeste Laufzeit holte, ans Spazierengehen dachte — mindestens die Hälfte der Teilnehmer tat dies. Was das bei einer Mitteldistanzmeisterschaft zu suchen hat? Falls Leidig tatsächlich schwimmen lernt, melden wir ihn nächstes Jahr zu seriösen Wettkämpfen.«

Leidig bekommt Klatsche von Mockenhaupt

Citynacht2009

Leidig wie immer gut zu erkennen am schütteren Haupthaar
und dem seltsam designten Weltraumjogger-Trikot.

Einen Kilometer und etwas mehr blieb Leidig dran an der Gruppe um die spätere Siegerin der Damenkonkurrenz, Sabrina Mockenhaupt aus Köln. Dieser erste Kilometer wurde in 3:05 gelaufen und war auch für Mockenhaupts Verhältnisse etwas flott. Leidig ließ unverständlicherweise abreißen, lag aber mit 16:40 bei Streckenkilometer 5 noch in der Planung für eine Zeit deutlich unter 34 Minuten. Aber dann wurde er langsamer. »Unverständlich«, meinte die Mannschaftsleitung, »selbst wenn es etwas schwül war an diesem netten Abend auf dem Kudamm — da bekommt er noch mehr Tempohärte in den Trainingsplan.« Am Ende reichte es zu Platz 2 in der Damenkonkurrenz, da Leidig auf der Zielgeraden gerade noch den Ansturm einer Britin von den Hallamshire Harriers niederkämpfen konnte und einigermaßen gentlemanlike seitlich ins Ziel spurtete. Die Zeit blieb bei 34 Minuten und 5 Sekunden stehen, zumindest eine neue Bestzeit und Anlaß für die Mannschaftsleitung, die Hoffnung nicht ganz aufzugeben: »Weitermachen, solange wir vor den Engländerinnen bleiben, haben wir gute Karten auf dem nationalen Sponsorenmarkt, vielleicht gewinnen wir einen der Rinderzuchtbetriebe in Markgrafpieske.«

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