Das große Interview zum Florian Seifert Fall

Seit einer Woche beherrscht der Fall Florian Seifert die Berliner Triathlon Presse und deren Diskussionsforen, Sportler anderer Bundesländer haben sich eingemischt, selbst der nationale Verband ist schon involviert. Die Geschehnisse rund um seine ungerechtfertigte Disqualifikation durch Ligawart Norbert Hennig in der Regionalliga Ost schlagen Wellen. Mehr und mehr wird deutlich, dass es auch in der Vergangenheit seltsame Vorkommnisse gab. Mehr und mehr Sportler melden sich mit ihren Geschichten zu Wort. Die Mannschaftsleitung des LEIDIG24 Triathlon Team/Berlin Cycling Clubs versucht, alle Hebel für das Team in Bewegung zu setzen. Hier das erste Exklusiv-Interview.

Inside Insanity: Sie sehen müde aus.

Mannschaftsleitung: Ja, ich bin schon lange nicht mehr früh schlafen gegangen. Aber lassen wir solche Zitate. Das Bildungsbürgertum wird auch überschätzt.

Gut. Am 14. Juli hat ihre Mannschaft das erste Rennen der Regionalliga Ost in Schneeberg gewonnen. Nach dem Rennen wurde ihr Spitzenathlet Florian Seifert disqualifiziert. Warum?

Florian wurde aufgrund seines Bundesliga-Starts für Neukölln nachträglich disqualifiziert. Außderdem sollte er beim zweiten Rennen in Havelberg, drei Tage später, nicht starten dürfen, ebenso bei den weiteren Rennen. Dagegen haben wir Einspruch eingelegt. Wir bekamen in kurzer Zeit viel Zuspruch von offizieller Seite, trotzdem konnten wir nicht einmal einen Start von Florian unter Vorbehalt in Havelberg erreichen. Ohne Florian sind wir dort mit einer Rumpfmannschaft immerhin noch Vierter geworden. Jetzt steht die Wertung dieses Rennens für die Regionalliga auf dem Spiel, sowohl für uns als auch die anderen Mannschaften eine missliche Situation.

Ist es nach den Regularien untersagt, dass ein Sportler in einer Saison für ein Team in der Bundesliga und für ein anderes Team in der Regionalliga antritt?

Florian ist nach einem Paragrafen der Bundesliga-Ordnung ausgeschlossen worden. Diese gilt zwar für die DTL, nicht aber für die Regionalliga. Das ist im Übrigen auch die Ansicht der Berliner Triathlon Union. Die Sportordnung der DTU hält ausdrücklich fest, dass Landesverbände ihre eigenen Regelungen treffen können, und die Ligaordnung Ost gibt die Disqualifikation nicht her. Sie ist viel zu unklar formuliert und erwähnt ausdrücklich den Fall, dass Athleten einmal in der Bundesliga starten dürfen. Dazu ist die bisherige Praxis eine andere gewesen.

Das heißt es gibt ähnliche Fälle?

Ja, in der Saison 2012 sind nachweislich zwei Berliner Athleten sowohl in der Bundesliga als auch der Regionalliga gestartet. Die Fälle unterscheiden sich nicht. Und in einem Fall hat der Ligawart, der die Disqualifikation Florian Seiferts vorangetrieben hat, diesen Doppelstart persönlich autorisiert. Wenn es diese Praxis nicht gegeben hätte, hätten wir den Doppelstart von Florian gar nicht in Erwägung gezogen.

Haben Sie andere Funktionsträger zum Fall befragt?

Sicher. Das Präsidium der BTU hat den Fall betrachtet und unterstützt den Einspruch offiziell. Ein Bundeswettkampfrichter, Mitglied der Technischen Kommission – das ist für solche Fragen das oberste Gremium der DTU –, hat uns auf Anfrage mitgeteilt, dass wir keinen Regelverstoß begangen haben. Ein nicht von uns beauftragter Rechtsanwalt, der die verschiedenen Ligaordnungen zum Fall durchgeschaut hat, erkennt keine Gründe, die eindeutig für eine Disqualifikation sprechen. Eine von uns beauftragte Anwaltskanzlei sieht das ähnlich. Dazu kommt der Verweis auf das Gewohnheitsrecht: Selbst wenn man die Bundesligaordnung in dieser Weise auslegt und für zuständig erklärt – da über Jahre anders verfahren worden ist, kann man nicht ohne Verlautbarung diese Praxis einfach ändern.

Wer wusste von Florian Seiferts geplanten Doppelstart in Regionalliga und Bundesliga?

Einfach ausgedrückt: so ziemlich jeder. Wir haben das ja nicht verschwiegen, sondern selbst darüber berichtet. In der regionalen Triathlon-Presse und auf den Social-Media-Kanälen ist viel geschrieben worden. Der Geschäftsführer der BTU war in das Verfahren zur Erlangung des Zweitstartrechts mit eingebunden, da er Mitglied beim TuS Neukölln ist und dort für die Ligateams verantwortlich zeichnet. Auch hier kann man wieder auf das Gewohnheitsrecht verweisen: Mindestens ein Mitglied des Ligaausschusses wusste von Florians Doppelstart im Vorfeld und sah hier keine Problematik. Und dieser Ausschuss spricht dann nach dem Rennen die Disqualifikation aus.

Ist denn Bewegung in den Fall gekommen?

Ja. Die erste Abstimmung im Ligaausschuss, so wurde uns vom Ligawart schriftlich mitgeteilt, ist drei zu zwei gegen uns ausgegangen. Mittlerweile hat mindestens ein Ligabeauftragter, der gegen uns gestimmt hat, nach Prüfung der Sachlage, seine Meinung geändert. Dieser Mann hat am Samstag in Havelberg noch versucht, einen Start von Florian unter Vorbehalt, zu erreichen. Vergeblich, der Ligawart hat Florians Start untersagt.

Und jetzt?

Uns wurde vom Ligawart mitgeteilt, wir sollten erneut gegen den Bescheid Einspruch einlegen. Dann würde er darauf antworten, dass der Fall für ihn abgeschlossen sei, und er könnte an die nächsthöhere Instanz gehen. Wir haben unsererseits die DTU bereits informiert, auf Anraten der BTU.

Rechnen sie mit einer schnellen Entscheidung?

Gute Frage. Wenn sich wirklich das DTU Verbandsgericht mit dem Fall befassen sollte, wird das voraussichtlich nicht schnell geschehen. Allein die Ladungsfrist beträgt nach DTU Rechtsordnung drei Wochen.

Was bedeutet das für die kommenden Regionalliga-Rennen?

Die restlichen zwei Rennen sind dann längst gelaufen. Wenn sich dann die Entscheidung des Ligaausschusses als nicht haltbar erweist – und mit Verlaub: danach sieht es aus –, steht die Wertung der ganzen Saion auf dem Spiel. Wir wären sehr an einer Lösung interessiert, die den Sport in den Vordergrund stellt, so dass die Regionalliga nicht am grünen Tisch entschieden wird. Bis Havelberg haben wir versucht, den Fall so still wie möglich zu behandeln, im Sinne einer positven Außendarstellung unserer Sportart. Das hat offenbar nicht funktioniert. Jetzt machen wir das öffentlich und werden auch das Gespräch mit den anderen Mannschaften suchen.

Gibt es denn überhaupt offenen Widerspruch gegen ihre Position? Hat jemand außer dem Ligawart sich für eine Disqualifikation und ein weiteres Startverbot von Florian Seifert ausgesprochen?

Nein, das ist das Absurde an der Situation. Eine Ausnahme gibt es allerdings: Es liegt uns das Schreiben eines BTU-Offziellen an das Präsidium vor, verfasst am Montag morgen nach dem Rennen in Schneeberg, das auf einen möglichen Regelverstoß aufmerksam macht. Dieses Schreiben wurde aber von den Verantwortlichen abschlägig beschieden, mit den bekannten Argumenten. Der Ligawart selbst wurde laut dem offiziellen Schreiben von einem Sportler des Vereins Triathlon Potsdam informiert. Ansonsten haben wir von allen Sportlern und Funktionären, die Kenntnis von diesem Fall erlangt haben, nur Zuspruch bekommen. Es hätte ja niemandem weh getan, wenn Florian in Havelberg gestartet wäre. Das nächste Rennen ist nun am 4. August in Luckau. Die Problematik besteht weiterhin.

Eine schöne Provinzposse. Verrat, Drama, Lügen. Wird es eine Tragödie oder Komödie werden?

Das ist nicht abzusehen, allerdings geht es immer noch tiefer im Niveau. Bei der Anfahrt nach Havelberg haben wir die vom Veranstalter empfohlene Route genommen, auf dem Berliner Ring sind wir aber in einen Stau geraten, aufgrund eines Unfalls. Wir mussten die Autobahn verlassen, und dann war noch die Umgehungsstraße, die wir laut Navigation fahren sollten, gesperrt. Es wurde langsam schwierig, überhaupt pünktlich zum Start zu kommen. Sehr frühzeitig von unterwegs haben wir den Veranstalter angerufen und er war einverstanden, das Rennen mit vielleicht 15 Minuten Verspätung zu starten. Er hat Rücksprache mit Ligawart Norbert Hennig genommen, dieser hat das untersagt. Spätestens da wurde jedem klar, dass diese Saison ganz besondere Hindernisse aus dem Weg zu räumen sind.

Danke für das Gespräch. Gute Nacht und viel Glück.

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